Sonny

einfach Ich

Eine späte Einsicht

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Wir Menschen machen Fehler, viele Fehler, jedenfalls im Laufe unseres Lebens.

Ich habe eingesehen, dass ich so nicht weitermachen kann, wie ich es getan habe und bis ich gesehen habe, welche Fehler ich gemacht habe.

Das Reiten ist für mich eigentlich eine Entspannung und kein Kampf.
Kein Kampf gegen 400 Kilo.

Kein Kampf ob rechts oder links rum.
Kein Kampf von 10 Minuten, ob das in Beton gegossene Pony sich weiter bewegt oder stehen bleibt, anfängt zu steigen oder zu buckeln.

Es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht. Ich hatte keine Kraft mehr. Meine Arbeit nahm mich ein. Ein neues Projekt wollte zum Laufen gebracht werden und lies mich Stunde für Stunde auf der Arbeit verbringen, außer dienstags, freitags und samstags. Dann galt meine Zeit mehr oder weniger dem Pferd, denn wer will nach dem Stress auf der Arbeit auch noch seinen Stress auf dem Pony weiterführen?
Natürlich arbeite ich mit meinem Pony, aber das ist Arbeit die mich entspannt, weil ich weiß was wir tolles hin bekommen und wie es aussehen könnte, wenn es mal fertig ist. Aber doch nicht, wenn ich von vorneherein weiß, dass sobald ich den Platz oder das Gelände betrete, das Pony zur Salzsäule erstarrt oder sich zum Rodeo Pferd verwandelt.

Eine Sache, die mir jetzt leider erst bewusst wurde ist, dass ich aufgehört habe mein Pony ausgiebig zu loben.
Das mag sich wirklich dämlich anhören, natürlich habe ich mal ein nettes Wort zwischen den Kämpfen verloren, aber es waren anscheinend zu wenige.
Galdur liebt es den Bauch gepinselt zu bekommen. Es macht ihn glücklich für jeden Pfurz gelobt zu werden. Ich glaube er freut sich und ist motivierter, wenn er weiß, dass er mir spaß bringt.

Bei Ausritten oder dem arbeiten im Round Pen, wird er ganz anders wenn ich lache. Egal ob er gerade der Kasper des Jahrtausends ist und seinen Frühlingsgefühlen freien lauf lässt und eine nach der anderen Runde durch den Zirkel prescht. Oder einfach so tut, als wäre er ein 1,80m Holsteiner der denn zwei Meter Sprung mit Leichtigkeit nimmt, obwohl er nur das tolle 1,35m Pony ist, welches die 20 cm gerade übersprungen hat.

Mein Pony hat mich mal glücklich und ausgeglichen gemacht. Wir haben viele schöne Momente miteinander gehabt und genau das und noch viele solcher Momente will ich zurück! Galdur ist 14.5 Jahre alt. Das ist absolut nicht alt für einen Isländer. Wir haben noch viel Zeit vor uns und damit das jetzt mal endlich wieder schön wird und ich mich auch mal wirklich wieder entspannen kann und auch das Pony dies tut, kommt nun mein Schlachtplan an die Reihe.

Ein nettes Wort kann nicht schaden und es macht auch nicht dick. Warum sollte es auch schaden? Nur weil ich mein Pony für alles lobe? Gut, dann kann kein anderer es reiten, weil er sich nicht mehr vom Fleck bewegt, aber das soll so ja auch nicht sein, denn dafür bin ich einfach zu eigen ;).
Es gibt Menschen, die sind der Meinung, dass ich meine Tiere zu viel lobe. Nö, finde ich nicht.

Es ist für mich nicht selbstverständlich, dass mein Pony mich durch die Gegend trägt, dort hin geht, wo ich es haben möchte und dafür bin ich dann einfach auch dankbar, wenn es denn klappt.

 

Also wird Herr Plüsch ab sofort wieder, wie vor zwei Jahren, für jeden Mist, der mich meinem Ziel näher bringt, gelobt. Und wenn der nur Flott über die Straße geht, denn auf der Straße stehen bleiben konnte er letztes Jahr schon mal ganz gut und das ist auf einer Hauptverkehrsstraße nicht sehr von Vorteil, wenn man dann auch noch schnell absteigen muss und das Pferd dann den „Kampf“ gewonnen hat.

Natürlich lasse ich mir deswegen nicht auf der Nase rumtanzen, aber Kooperation wird ab nun, egal wie klein sie ist, belohnt. Ich versuche diese These jetzt seit knapp einer Woche und ich muss sagen, es wird von Tag zu Tag besser.

Die ersten Tage waren hart, wie erwartet. Ein bockendes Tier, welches in meine Richtung austritt und nicht mitarbeiten will.
Okay, das habe ich ohne jede Frage verdient. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass ein neues Gebiss alles lösen würde. So ging es drei Tage nacheinander. Das dicke Pony machte mir unmissverständlich klar, dass ich mir die Mitarbeit erst verdienen musste.
Aber, jetzt nach einer Woche wird weniger nach mir getreten, das Pony ist frischer bei der Arbeit und muss nicht so stark getrieben werden

Das erfreut mich und Pony, denn ich glaube fest daran, dass wir wieder ein Team werden können.

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Autor: sonny

Baujahr 83. Lebt 20 Kilometer vor Hannover. Bücherliebhaberin. Hundebesitzerin. Isländerbesitzerin. Technikverliebt. Wintermensch. Schneeliebhaberin. Twitterbesessen. Probiert gerne was aus. Isst gerne. Mag ihren Job. Serienliebhaberin. Damit Du Dich nicht wunderst, wenn Du hier das erste Mal kommentierst, was mich wirklich freut, jeder neue Kommentator muss von mir freigeschaltet werden. Das erspart Dir diese nervigen Abfragen, welche man eh nie richtig lesen kann ;)

2 Kommentare

  1. Wie schööööönn! 🙂 Es macht eben einfach Sinn, wenn man seinen Alltagsstress zu hause lässt und unbelastet beim Pony ankommt. Und späte Einsicht ist toll, so lange sie nur kommt. Ich lobe meine Ponys auch für jeden Dreck, falls dich das unterstützt 😀 Wir waren sogar mal so weit, dass Herr Pony keinen Schritt mehr macht unter mir. Jetzt wird geclickert und jeder Pups belohnt und wenn es nur ein Angehen auf Schenkeldruck ist. Ich drück euch die Daumen!! Hochs und Tiefs gibts in jeder Beziehung und es ist schön zu lesen, dass es doch noch Menschen gibt, die nicht ihr Tier sondern sich selbst in Frage stellen 🙂 Ich drück dich!! Liebe Grüße, Tash

  2. Ja, das unterstürzt mich wirklich, denn ich fühle mich da doch etwas alleine 😉

    Ich stelle mich öfters in Frage, mal ist das gut, mal ist das schlecht, weil ich dann zu lange darüber nachdenke und nicht nach dem Herzen handle.

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